Taille-Hüft-Verhältnis
Bauchfett ist das Fett, das zählt: zwei Verhältniszahlen, die das Risiko besser zeigen als der BMI.
Wie ist mein Taille-Hüft-Verhältnis?
Taille, Hüfte und Größe messen.
Beispiel: Frau mit Taille 78, Hüfte 102, Größe 168: WHR 0,76, WHtR 0,46
Was ist mein Idealgewicht?
Broca, Devine und BMI.
Beispiel: Frau, 165 cm, 42 Jahre: Broca 55,3 kg, BMI-Bereich 50 bis 68 kg
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So funktioniert der Taille-Hüft-Verhältnis
Der Taille-Hüft-Rechner rechnet aus drei Maßen zwei Kennzahlen: das Taille-Hüft-Verhältnis, englisch WHR für Waist-to-Hip-Ratio, als Taillenumfang geteilt durch Hüftumfang, und das Taille-Größe-Verhältnis, WHtR für Waist-to-Height-Ratio, als Taillenumfang geteilt durch Körpergröße. Beide werden nach Geschlecht eingeordnet in normal, erhöht und deutlich erhöht, dazu zeigt der Rechner, unter welchem Wert die Taille liegen sollte, und die Grenzen des Bauchumfangs, ab denen das Risiko steigt. Der zweite Kasten rechnet das Idealgewicht nach Broca und BMI. Das ist der Rechner für alle, die wissen wollen, ob der Bauch ein Gesundheitsthema ist, für die Vorsorge, das Fitnessziel und die Frage, ob ein Mensch mit normalem BMI trotzdem zu viel Bauchfett haben kann.
Merksatz: Die Taille sollte weniger als die halbe Körpergröße messen, und beim Taille-Hüft-Verhältnis liegt die Grenze bei 0,85 für Frauen und 0,90 für Männer. Die Eselsbrücke: Apfel oder Birne, der Apfel mit dem Fett am Bauch ist das Problem, die Birne mit dem Fett an der Hüfte nicht.
Drei Beispiele:
- Frau, Taille 78, Hüfte 102, Größe 168 cm: WHR 0,76 und WHtR 0,46, beides normal, die Taille sollte unter 84 cm bleiben.
- Mann, Taille 92, Hüfte 100, Größe 180 cm: WHR 0,92, erhöht, Grenze 0,90, WHtR 0,51, erhöht, Taille sollte unter 90 cm liegen.
- Frau, Taille 88, Hüfte 100, Größe 165 cm: WHR 0,88, deutlich erhöht, WHtR 0,53, erhöht, Bauchumfang an der Grenze von 88 cm.
Formeln: WHR = Taille / Hüfte, WHtR = Taille / Körpergröße, Grenzen WHR Frauen 0,80 / 0,85, Männer 0,90 / 1,00, WHtR 0,5 für alle. Den Body-Mass-Index aus Gewicht und Größe rechnet der BMI-Rechner, und den Fettanteil des Körpers aus den Umfängen der Körperfett-Rechner.
Wissenswertes zum Thema
Warum der Bauch zählt und was die beiden Verhältnisse messen
Fett ist nicht gleich Fett: Das Unterhautfett an Hüfte, Po und Oberschenkeln ist ein Speicher, der dem Stoffwechsel wenig schadet, das Bauchfett dagegen, das viszerale Fett zwischen den Organen, ist hormonell aktiv, schüttet Entzündungsstoffe und Fettsäuren direkt in die Leberpforte und treibt Insulinresistenz, Blutdruck und Blutfette, weshalb zwei Menschen mit demselben Gewicht und BMI ein völlig verschiedenes Risiko für Diabetes und Herzinfarkt haben können. Der Taillenumfang misst dieses Bauchfett direkt, und die beiden Verhältniszahlen setzen ihn ins Verhältnis zum Körperbau. Das Taille-Hüft-Verhältnis beschreibt die Fettverteilung, Apfel gegen Birne: Die WHO setzt die Grenze für ein deutlich erhöhtes Risiko bei 0,85 für Frauen und 0,90 für Männer, der Rechner stuft darunter noch eine Zone "erhöht" ab 0,80 beziehungsweise 0,90 ein und nennt ab 0,85 beziehungsweise 1,00 "deutlich erhöht". Das Taille-Größe-Verhältnis ist die neuere und nach vielen Studien bessere Zahl, weil es den Bauch zur Körpergröße statt zur Hüfte setzt und die Regel so einfach ist, dass sie jeder anwenden kann: Die Taille soll weniger als die halbe Körpergröße messen, WHtR unter 0,5, bei 168 Zentimetern also unter 84, bei 180 unter 90; unter 0,4 gilt als untergewichtig, 0,5 bis 0,6 als erhöht, über 0,6 als deutlich erhöht, und für Menschen über 50 wird die Grenze oft auf 0,55 angehoben. Daneben steht der nackte Bauchumfang mit den Grenzen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft: ab 80 Zentimetern bei Frauen und 94 bei Männern erhöhtes Risiko, ab 88 und 102 deutlich erhöht, die zugleich ein Kriterium des metabolischen Syndroms sind. Die britische NICE empfiehlt seit 2022 das Taille-Größe-Verhältnis als Ergänzung zum BMI, weil der BMI bei muskulösen Menschen zu hoch und bei älteren mit wenig Muskeln zu niedrig liegt. Was der BMI aus Gewicht und Größe sagt und wo seine Grenzen liegen, zeigt der BMI-Rechner.
Richtig messen: Wo die Taille ist und wo die Hüfte
Die Messung entscheidet über das Ergebnis, und zwei Zentimeter Unterschied verschieben die Einordnung. Die Taille wird nach WHO-Protokoll an der schmalsten Stelle zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm gemessen, meist knapp über dem Bauchnabel, morgens vor dem Frühstück, im Stehen, am Ende einer normalen Ausatmung, mit lockerem Maßband waagerecht um den Körper und ohne den Bauch einzuziehen; wer keine schmalste Stelle findet, misst in der Mitte zwischen Rippenbogen und Beckenkamm oder auf Nabelhöhe, dann aber immer gleich. Die Hüfte wird an der breitesten Stelle des Gesäßes gemessen, nicht am Beckenknochen, mit geschlossenen Füßen, und das Maßband darf nicht in die Haut drücken. Die Körpergröße misst man ohne Schuhe, morgens ist man bis zu zwei Zentimeter größer als abends. Bei der Interpretation gilt: Das Verhältnis ändert sich mit dem Alter, weil die Taille mit den Jahren wächst, mit dem Geschlecht, weil Frauen Fett an der Hüfte speichern und Männer am Bauch, und mit der Herkunft, für Menschen aus Südasien gelten niedrigere Bauchumfang-Grenzen von 80 und 90 Zentimetern. In der Schwangerschaft und bei Bodybuildern mit breiter Hüftmuskulatur taugt das Taille-Hüft-Verhältnis nicht, das Taille-Größe-Verhältnis bleibt brauchbar. Für die Verlaufskontrolle beim Abnehmen ist der Taillenumfang besser als die Waage, weil Krafttraining Fett abbaut und Muskeln aufbaut, ohne dass sich das Gewicht ändert, ein Zentimeter Taille entspricht grob einem Kilogramm Bauchfett. Wie viel Fett der Körper insgesamt trägt, schätzt der Körperfett-Rechner aus Hals-, Taillen- und Hüftumfang.
Rechnen von Hand und typische Fehler
Von Hand: 92 durch 100 ist 0,92, 92 durch 180 ist 0,51, und für den Zielwert nimmt man die halbe Körpergröße, 90 Zentimeter. Der erste Fehler ist die Messung am Gürtel oder am Hosenbund, der oft unter dem Bauch sitzt und 5 bis 10 Zentimeter zu wenig misst, die Konfektionsgröße 34 hat mit dem Taillenumfang nichts zu tun. Der zweite ist die Hüfte am Beckenknochen statt am Gesäß. Der dritte ist das Einziehen des Bauchs. Der vierte ist die Verwechslung von WHR und WHtR, 0,92 ist beim Taille-Hüft-Verhältnis erhöht, beim Taille-Größe-Verhältnis wäre es lebensbedrohlich. Der fünfte ist die Übertragung der Männergrenzen auf Frauen, 0,88 ist bei Frauen deutlich erhöht, bei Männern normal. Der sechste ist der Schluss vom normalen BMI auf einen normalen Bauch, ein Drittel der Normalgewichtigen hat ein WHtR über 0,5, "skinny fat". Der siebte ist die Messung abends nach dem Essen. Und der achte ist die Panik bei 0,51: Die Grenzen sind Risikostufen aus Bevölkerungsstudien, keine Diagnosen, und ein Wert knapp über 0,5 ist ein Anlass für mehr Bewegung, kein Befund. Die Werte sind Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Wie viele Kalorien der Körper täglich braucht, wenn der Bauch kleiner werden soll, rechnet der Kalorienbedarf-Rechner.
Ein Stück Geschichte: Vom Apfel-Birnen-Typ zur halben Körpergröße
Die Idee, dass die Verteilung des Fetts wichtiger ist als seine Menge, stammt vom französischen Arzt Jean Vague, der 1947 in Marseille die "androide" Fettsucht am Bauch von der "gynoiden" an Hüfte und Oberschenkeln unterschied und beobachtete, dass Diabetes, Gicht und Arteriosklerose vor allem die Apfelform trafen; seine Arbeit wurde jahrzehntelang ignoriert, weil der BMI, den der Belgier Adolphe Quetelet 1832 als Maß für den "mittleren Menschen" erfunden hatte, so einfach zu rechnen war. In den 1980er Jahren kam der Beweis aus Schweden: Die Göteborger Studien von Per Björntorp und Lars Sjöström und die Studie an 1.462 Frauen von Lapidus und Bengtsson 1984 zeigten, dass das Taille-Hüft-Verhältnis Herzinfarkt und Tod besser vorhersagte als das Gewicht, und die WHO übernahm die Kennzahl 1997 mit den Grenzen 0,85 und 0,90 in ihren Adipositasbericht. Das Taille-Größe-Verhältnis schlug Margaret Ashwell in Großbritannien 1996 vor, mit dem Slogan "Keep your waist to less than half your height", und ihre Metaanalyse von 2012 über 300.000 Menschen zeigte, dass es Diabetes, Bluthochdruck und Herzkrankheiten in allen Bevölkerungen besser vorhersagt als BMI und Bauchumfang; die Interheart-Studie von 2005 in 52 Ländern fand, dass das Taille-Hüft-Verhältnis den Herzinfarkt dreimal stärker vorhersagt als der BMI. Seit 2022 empfiehlt die britische NICE die Halbe-Körpergröße-Regel offiziell, und die deutschen Leitlinien nennen den Bauchumfang neben dem BMI. Der Rechner rechnet die beiden Verhältnisse, für die Vague 1947 verlacht wurde.
Praktische Tipps
Messen Sie morgens, nüchtern, an der schmalsten Stelle und ohne einzuziehen. Nutzen Sie das Taille-Größe-Verhältnis als Hauptzahl und das Taille-Hüft-Verhältnis als Ergänzung. Messen Sie beim Abnehmen den Bauch statt nur das Gewicht. Vergleichen Sie Ihre Werte immer mit den Grenzen Ihres Geschlechts. Nehmen Sie einen Wert knapp über der Grenze als Anlass, nicht als Diagnose. Und lassen Sie bei deutlich erhöhten Werten Blutdruck, Blutzucker und Blutfette beim Arzt messen. Was das Idealgewicht nach Broca und BMI für Ihre Größe wäre, zeigt der Idealgewicht-Rechner.
Häufige Fragen
Wie berechne ich das Taille-Hüft-Verhältnis?
Taillenumfang geteilt durch Hüftumfang: Taille 78 cm und Hüfte 102 cm ergeben 0,76, Taille 92 und Hüfte 100 ergeben 0,92. Gemessen wird die Taille an der schmalsten Stelle zwischen Rippen und Beckenkamm, die Hüfte an der breitesten Stelle des Gesäßes.
Welches Taille-Hüft-Verhältnis ist normal?
Für Frauen unter 0,80, für Männer unter 0,90. Der Rechner stuft bei Frauen 0,80 bis 0,85 und bei Männern 0,90 bis 1,00 als erhöht ein, darüber als deutlich erhöht. Die WHO sieht ab 0,85 bei Frauen und 0,90 bei Männern ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was ist das Taille-Größe-Verhältnis?
Taillenumfang geteilt durch Körpergröße, WHtR. Die Regel: Die Taille soll weniger als die halbe Körpergröße messen, also unter 0,5. Bei 168 cm Größe sind das unter 84 cm Taille, bei 180 cm unter 90 cm. 78 cm bei 168 cm ergeben 0,46, normal, 92 bei 180 ergeben 0,51, erhöht.
Ab welchem Bauchumfang wird es gefährlich?
Bei Frauen ab 80 cm erhöhtes und ab 88 cm deutlich erhöhtes Risiko, bei Männern ab 94 cm und ab 102 cm. Diese Grenzen sind zugleich ein Kriterium des metabolischen Syndroms. Für Menschen südasiatischer Herkunft gelten 80 und 90 cm.
Was ist besser, BMI oder Taille-Hüft-Verhältnis?
Für das Herz-Kreislauf-Risiko die Umfänge: Die Interheart-Studie fand, dass das Taille-Hüft-Verhältnis den Herzinfarkt dreimal besser vorhersagt als der BMI, und das Taille-Größe-Verhältnis schneidet in Metaanalysen am besten ab. Der BMI misst das Gewicht, nicht, wo das Fett sitzt.
Wie messe ich die Taille richtig?
Morgens vor dem Frühstück, im Stehen, an der schmalsten Stelle zwischen unterem Rippenbogen und Beckenkamm, am Ende einer normalen Ausatmung, mit waagerechtem, lockerem Maßband und ohne den Bauch einzuziehen. Nicht am Hosenbund, der sitzt oft 5 bis 10 cm tiefer und misst zu wenig.
Kann man mit normalem BMI zu viel Bauchfett haben?
Ja, etwa ein Drittel der Normalgewichtigen hat ein Taille-Größe-Verhältnis über 0,5, oft bei wenig Muskeln und Fett am Bauch. Das Risiko für Diabetes und Herzkrankheiten ist dann ähnlich wie bei Übergewicht. Deshalb empfehlen Leitlinien, neben dem BMI den Bauchumfang zu messen.
Was bedeutet Apfeltyp und Birnentyp?
Der Apfeltyp speichert Fett am Bauch, zwischen den Organen, und hat ein hohes Taille-Hüft-Verhältnis, typisch für Männer. Der Birnentyp speichert an Hüfte und Oberschenkeln, mit niedrigem Verhältnis, typisch für Frauen vor den Wechseljahren. Das Bauchfett des Apfeltyps ist das gesundheitlich riskante.