Bremsweg-Rechner
Wie lang ist der Anhalteweg bei 50, 100 oder 130 km/h? Nach den Formeln aus der Fahrschule, für Prüfung und Praxis.
Wie lang sind Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg?
Geschwindigkeit, Bremsung und Fahrbahn wählen.
Beispiel: 130 km/h, Gefahrenbremsung auf nasser Straße: 39 m Reaktionsweg + 127 m Bremsweg = 166 m Anhalteweg
So funktioniert der Bremsweg-Rechner
Der Bremsweg-Rechner rechnet die drei Wege, die in jeder Führerscheinprüfung drankommen: den Reaktionsweg, den das Auto in der Schrecksekunde zurücklegt, bevor überhaupt gebremst wird, den Bremsweg vom Tritt aufs Pedal bis zum Stillstand, und den Anhalteweg als Summe aus beiden. Sie wählen Geschwindigkeit, normale oder Gefahrenbremsung und trockene oder nasse Fahrbahn, und der Rechner zeigt die Werte nach den Faustformeln der Fahrschule, dazu eine Tabelle für 30 bis 160 km/h, den physikalischen Vergleichswert und den Anhalteweg bei 10 km/h mehr.
Merksatz: Reaktionsweg ist Geschwindigkeit durch zehn mal drei, Bremsweg ist Geschwindigkeit durch zehn zum Quadrat. Die Eselsbrücke: Doppelte Geschwindigkeit, vierfacher Bremsweg, und bei einer Gefahrenbremsung halbiert er sich. Wer den Anhalteweg berechnen soll, rechnet also erst mal drei und dann mal sich selbst.
Drei Beispiele:
- 50 km/h innerorts, normale Bremsung, trocken: 15 Meter Reaktionsweg plus 25 Meter Bremsweg gleich 40 Meter Anhalteweg. Bei 60 km/h sind es schon 54 Meter.
- 100 km/h auf der Landstraße: 30 plus 100 gleich 130 Meter, bei Gefahrenbremsung 30 plus 50 gleich 80 Meter. Physikalisch mit guten Bremsen und 8 m/s² etwa 76 Meter.
- 130 km/h auf der Autobahn, Gefahrenbremsung, nass: 39 Meter Reaktionsweg plus 127 Meter Bremsweg, Gefahrenbremsung halbiert und Nässe plus 50 Prozent, gleich 166 Meter, mehr als anderthalb Fußballfelder.
Die Faustformeln: Reaktionsweg in m = (km/h / 10) x 3, Bremsweg in m = (km/h / 10)², bei Gefahrenbremsung / 2, bei nasser Fahrbahn x 1,5, Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg. Der physikalische Vergleichswert rechnet mit einer Sekunde Reaktionszeit und 8 m/s² Verzögerung auf trockener, 5 m/s² auf nasser Straße. Was Tempo über dem Limit kostet, zeigt der Bußgeldrechner, was es an Sprit kostet, der Spritkosten-Rechner.
Wissenswertes zum Thema
Die Faustformeln und die Physik dahinter
Die Formeln der Fahrschule sind Näherungen, die sich im Kopf rechnen lassen und bewusst auf der sicheren Seite liegen. Der Reaktionsweg geht von einer Schrecksekunde aus: In einer Sekunde legt ein Auto bei 50 km/h, das sind 13,9 Meter je Sekunde, knapp 14 Meter zurück, die Formel rundet auf 15; bei 100 km/h sind es 27,8, die Formel sagt 30. Die Reaktionszeit eines aufmerksamen Fahrers liegt bei 0,8 bis 1,0 Sekunden, bei Ablenkung durch das Handy, Müdigkeit oder nachts bei 1,5 bis 2 Sekunden, und dann verdoppelt sich der Reaktionsweg. Der Bremsweg folgt aus der Physik: Die Bewegungsenergie wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, und da die Bremsen je Meter eine feste Energie vernichten, wächst der Weg ebenfalls quadratisch, s = v² / (2a) mit der Verzögerung a. Die Faustformel (v/10)² entspricht einer Verzögerung von nur 3,86 m/s², was für Autos der 1950er mit Trommelbremsen realistisch war; moderne Pkw mit ABS und guten Reifen erreichen auf trockener Straße 8 bis 10 m/s² und stehen aus 100 km/h nach 35 bis 40 Metern, weshalb die "Gefahrenbremsung" der Faustformel mit halbiertem Weg der heutigen Vollbremsung näherkommt. Die Formel ist also nicht falsch, sondern konservativ: Sie rechnet für Bremsen und Reifen in mäßigem Zustand, für Fahrer, die nicht mit voller Kraft treten, und für Lkw und Anhänger, die deutlich länger brauchen.
Nässe, Glätte, Reifen, Beladung
Nasse Fahrbahn verlängert den Bremsweg um 50 Prozent in der Faustformel, physikalisch sinkt die Haftung von 0,8 auf etwa 0,5, und bei Aquaplaning ab etwa 80 km/h auf stehendem Wasser auf praktisch null. Auf Schnee liegt der Reibwert bei 0,2 bis 0,3, der Bremsweg vervierfacht sich, auf Eis bei 0,1, der Bremsweg aus 50 km/h beträgt dann 100 Meter statt 12. Reifen sind der wichtigste Faktor, den der Rechner nicht abfragt: Zwischen neuen Reifen und solchen mit 1,6 Millimetern Restprofil, dem gesetzlichen Minimum, liegen bei Nässe aus 100 km/h gut 20 Meter, der ADAC empfiehlt 3 Millimeter im Sommer und 4 im Winter, und Sommerreifen bei Frost oder Winterreifen bei 30 Grad verlängern den Weg ebenfalls. Beladung verlängert den Bremsweg, ein Anhänger ohne eigene Bremse erheblich, ein Lkw mit 40 Tonnen braucht aus 80 km/h etwa 60 bis 70 Meter, weshalb der Sicherheitsabstand für Lkw auf 50 Meter festgeschrieben ist. Der Abstand "halber Tacho", also 50 Meter bei 100 km/h, deckt nur den Reaktionsweg plus etwas Reserve, nicht den ganzen Anhalteweg; er reicht, weil der Vordermann ebenfalls bremst und nicht stehen bleibt. Wer auf ein stehendes Hindernis zufährt, braucht den vollen Anhalteweg. Wie viel Abstand in Sekunden das ist, zeigt der Zwei-Sekunden-Abstand, den man an einem Leitpfosten abzählt.
Was der Anhalteweg im Alltag bedeutet
Die Tabelle im Rechner erklärt, warum Tempo 30 vor Schulen mehr ist als Symbolpolitik: Bei 30 km/h beträgt der Anhalteweg 18 Meter, bei 50 km/h 40 Meter, und ein Kind, das 20 Meter vor dem Auto auf die Straße läuft, wird bei 30 km/h gar nicht erst erreicht, bei 50 km/h mit fast unverminderter Geschwindigkeit getroffen, denn nach 15 Metern Reaktionsweg hat der Fahrer noch nicht einmal gebremst. Die Zeile "bei 10 km/h mehr" zeigt dasselbe für die Landstraße: 100 statt 90 km/h verlängern den Anhalteweg um 22 Meter, 110 statt 100 um 24 weitere. Auf der Autobahn bei 130 km/h sind 130 Meter Anhalteweg bei normaler Bremsung die Regel, das ist die Strecke zwischen zwei Leitpfosten mal zweieinhalb, und bei Nebel mit 50 Metern Sicht ist jede Geschwindigkeit über 50 km/h ein Blindflug, was § 3 StVO mit der Sichtfahrregel ausdrückt: Man darf nur so schnell fahren, dass man innerhalb der übersehbaren Strecke anhalten kann. Rund ein Drittel aller tödlichen Unfälle in Deutschland hat nicht angepasste Geschwindigkeit als Hauptursache. Assistenzsysteme wie Notbremsassistenten verkürzen den Reaktionsweg auf null, seit 2024 sind sie in Neuwagen Pflicht, am Bremsweg ändern sie nichts. Was ein Unfall über die Versicherung hinaus kostet, lässt sich kaum rechnen; was das Bußgeld kostet, zeigt der Bußgeldrechner.
Ein Stück Geschichte: Die Formeln aus dem Fahrschulbuch
Die Faustformeln stammen aus den Fahrschullehrbüchern der 1950er und 1960er Jahre, als die Bundesrepublik 1952 die Fahrschulausbildung reformierte und die amtliche Fragensammlung einführte; sie sollten ohne Taschenrechner, den es noch nicht gab, im Kopf funktionieren und passten zu den Bremsen der Zeit. Der VW Käfer von 1955 brauchte aus 100 km/h über 60 Meter, mit Trommelbremsen rundum, und Scheibenbremsen kamen in deutschen Kleinwagen erst Mitte der 1960er, ABS 1978 im Mercedes S-Klasse und ab 2004 in allen Neuwagen der EU. Der Bremsweg aus 100 km/h hat sich damit in 60 Jahren fast halbiert, die Faustformel blieb. Die Schrecksekunde als Rechengröße geht auf Reaktionsmessungen der Verkehrspsychologie der 1930er zurück, und die Sichtfahrregel steht seit der Reichs-Straßenverkehrsordnung von 1934 im Gesetz. Tempo 30 in Wohngebieten wurde 1983 in Buxtehude erstmals großflächig erprobt, mit dem Anhalteweg als Hauptargument, und ist heute in Städten die Regel; die Diskussion um ein Tempolimit auf Autobahnen dreht sich ebenfalls um die Zeile "bei 10 km/h mehr". Der Rechner nutzt die Formeln der Fahrschule und stellt die Physik daneben, damit man beides kennt.
Praktische Tipps
Lernen Sie für die Prüfung die Faustformeln mit den Standardwerten: 50 km/h gleich 15 plus 25 gleich 40 Meter, 100 km/h gleich 30 plus 100 gleich 130, Gefahrenbremsung halbiert nur den Bremsweg, nicht den Reaktionsweg. Rechnen Sie im Alltag mit Nässe immer mit dem Faktor 1,5 und halten Sie bei Regen den doppelten Abstand. Prüfen Sie die Profiltiefe mit einer Euromünze, der goldene Rand ist 3 Millimeter breit. Treten Sie bei einer Notbremsung voll und ohne Pumpen, das ABS übernimmt, und üben Sie das einmal auf einem Fahrsicherheitstraining, die meisten Fahrer bremsen zu zaghaft. Legen Sie das Handy weg, eine Sekunde Blick aufs Display sind bei 100 km/h 28 Meter Blindfahrt. Und orientieren Sie sich an Leitpfosten: 50 Meter Abstand sind ein Pfosten, auf der Autobahn bei 130 brauchen Sie zweieinhalb. Was eine Vollbremsung die Reifen kostet, ist egal; was die Fahrt insgesamt kostet, zeigt der Verbrauchsrechner.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den Bremsweg?
Mit der Faustformel (Geschwindigkeit / 10)²: Bei 50 km/h sind das 5 × 5 = 25 Meter, bei 100 km/h 100 Meter, bei 130 km/h 169 Meter. Bei einer Gefahrenbremsung wird der Wert halbiert, bei nasser Fahrbahn um 50 Prozent erhöht.
Wie berechnet man den Reaktionsweg?
(Geschwindigkeit / 10) × 3: Bei 50 km/h 15 Meter, bei 100 km/h 30 Meter, bei 130 km/h 39 Meter. Das entspricht etwa einer Sekunde Reaktionszeit. Mit Handy oder Müdigkeit verdoppelt sich die Zeit und damit der Weg.
Wie lang ist der Anhalteweg bei 50 km/h?
40 Meter: 15 Meter Reaktionsweg plus 25 Meter Bremsweg. Bei einer Gefahrenbremsung sind es 15 plus 12,5, also rund 28 Meter. Bei 30 km/h beträgt der Anhalteweg nur 18 Meter, deshalb Tempo 30 vor Schulen.
Wie lang ist der Anhalteweg bei 100 km/h?
130 Meter nach Faustformel: 30 Meter Reaktionsweg plus 100 Meter Bremsweg. Bei Gefahrenbremsung 80 Meter, bei Nässe mit normaler Bremsung 180 Meter. Physikalisch mit modernen Bremsen und 8 m/s² etwa 76 Meter.
Wie lang ist der Bremsweg bei 130 km/h?
169 Meter bei normaler Bremsung, 85 Meter bei Gefahrenbremsung, bei nasser Fahrbahn und Gefahrenbremsung 127 Meter. Der Anhalteweg mit 39 Metern Reaktionsweg liegt zwischen 124 und 293 Metern je nach Bedingungen.
Was ist der Unterschied zwischen Bremsweg und Anhalteweg?
Der Bremsweg beginnt mit dem Tritt aufs Pedal und endet im Stillstand. Der Anhalteweg ist Reaktionsweg plus Bremsweg, also die ganze Strecke ab dem Moment, in dem die Gefahr erkannt wird. In der Prüfung ist fast immer der Anhalteweg gefragt.
Warum verdoppelt sich der Bremsweg nicht bei doppelter Geschwindigkeit?
Weil die Bewegungsenergie mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst. Doppelte Geschwindigkeit heißt vierfacher Bremsweg: 25 Meter bei 50 km/h, 100 Meter bei 100 km/h. Schon 10 km/h mehr verlängern den Anhalteweg bei Tempo 100 um 24 Meter.
Stimmen die Faustformeln noch für moderne Autos?
Sie sind konservativ. Die Formel entspricht einer Verzögerung von knapp 4 m/s², moderne Pkw mit ABS und guten Reifen erreichen 8 bis 10 und stehen aus 100 km/h nach 35 bis 40 Metern. Für die Prüfung gelten die Faustformeln, für die Praxis bleiben sie eine sichere Reserve für schlechte Reifen, Beladung und zaghaftes Bremsen.