SF-Klassen-Rechner
Ein gemeldeter Schaden kostet nicht nur im nächsten Jahr mehr, sondern über viele Jahre. Der Rechner zeigt die Rückstufung und ob Selbstzahlen günstiger ist.
Schaden melden oder selbst zahlen?
Aktuelle SF-Klasse, Sparte, Jahresbeitrag, Schadenhöhe und Zeitraum eintragen.
Beispiel: SF 12 Haftpflicht, 420 € Beitrag, Schaden 1.800 €: Rückstufung auf SF 6, Mehrbeitrag 1.003,33 € über 10 Jahre, Melden lohnt sich
So funktioniert der SF-Klassen-Rechner
Der SF-Klassen-Rechner zeigt, was ein gemeldeter Unfall in der Kfz-Versicherung wirklich kostet: die Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse nach einem Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden, den Beitragssatz vorher und nachher, den Beitrag im Folgejahr und vor allem den Mehrbeitrag über die kommenden Jahre, Jahr für Jahr in einer Tabelle, bis beide Verläufe wieder gleichauf sind. Sie wählen die aktuelle SF-Klasse von M bis SF 35, die betroffene Sparte, tragen den Jahresbeitrag dieser Sparte und die Schadenhöhe ein, und der Rechner sagt, ob Schaden selbst zahlen oder melden günstiger ist, mit dem Vorteil in Euro und der Zahl der schadenfreien Jahre, bis die alte Klasse wieder erreicht ist. Das ist der Rechner für den Parkrempler mit 900 Euro Blechschaden, die Frage nach dem Schadenrückkauf, wenn die Versicherung schon reguliert hat, und für die Entscheidung, ob sich der Rabattschutz als Zusatzbaustein lohnt.
Merksatz: Ein Schaden halbiert grob die SF-Klasse, und weil der ungestörte Vertrag in den Folgejahren ebenfalls weiter klettert, bleibt der Abstand bis zur Höchstklasse bestehen. Die Eselsbrücke: Mehrbeitrag im ersten Jahr mal fünf bis acht, das ist die Größenordnung der Gesamtkosten, und ein Schaden darunter wird besser selbst gezahlt.
Drei Beispiele:
- SF 12, Haftpflicht 420 € im Jahr, Schaden 1.800 €: Rückstufung auf SF 6, Beitragssatz 36 auf 50 Prozent, Folgejahr 583,33 €, Mehrbeitrag 1.003,33 € über 10 Jahre; melden ist günstiger, Vorteil 796,67 €.
- SF 25, Vollkasko 680 €, Schaden 1.200 €: Rückstufung auf SF 15, 31 auf 39 Prozent, Folgejahr 855,48 €, Mehrbeitrag 1.294,19 €; selbst zahlen ist günstiger, Vorteil 94,19 €.
- SF 3, Haftpflicht 650 €, Schaden 900 €, 5 Jahre Betrachtung: Rückstufung auf SF 1, 65 auf 90 Prozent, Folgejahr 900 €, Mehrbeitrag 670 €; melden lohnt mit 230 € Vorteil, nach 2 schadenfreien Jahren ist SF 3 wieder erreicht.
Formeln: Grundbeitrag = Jahresbeitrag / Beitragssatz der aktuellen Klasse, Beitrag je Jahr = Grundbeitrag × Beitragssatz der jeweiligen Klasse, Mehrbeitrag = Summe (Beitrag nach Schaden - Beitrag ohne Schaden) über den Zeitraum, Empfehlung: selbst zahlen, wenn Schaden kleiner als Mehrbeitrag. Die Beitragssätze und die Rückstufungstabelle sind Musterwerte nach dem üblichen Marktschema; die eigenen stehen in den Versicherungsbedingungen. Was ein Unfall mit Alkohol zusätzlich kostet, rechnet der Alkohol-am-Steuer-Rechner, das Bußgeld dazu der Bußgeldrechner.
Wissenswertes zum Thema
So funktioniert die Schadenfreiheitsklasse
Die Schadenfreiheitsklasse ist das Gedächtnis des Vertrags: Jedes Kalenderjahr ohne gemeldeten Schaden hebt sie um eine Stufe, von SF 1/2 für Fahranfänger über SF 1 nach dem ersten vollen Jahr bis SF 35 nach 35 Jahren, bei manchen Versicherern inzwischen bis SF 50. Zu jeder Klasse gehört ein Beitragssatz in Prozent des Grundbeitrags: Der Fahranfänger zahlt in SF 0 rund 125 Prozent, SF 1 etwa 90, SF 5 um 55, SF 10 um 40, SF 20 um 28 und SF 35 um 20 Prozent, in der Vollkasko liegen die Sätze etwas höher und flacher. Die Klassen M und S sind Malusklassen für Fahrer, die schon in der Einstiegsphase Schäden verursachen, mit Sätzen von 110 bis 150 Prozent. Haftpflicht und Vollkasko führen getrennte SF-Klassen, ein Haftpflichtschaden stuft nur die Haftpflicht zurück, ein Kaskoschaden nur die Vollkasko; die Teilkasko kennt gar keine SF-Klasse, Glasbruch, Wildunfall oder Diebstahl kosten also keinen Rabatt. Die Rückstufung folgt einer Tabelle des Versicherers, die grob die Klasse halbiert: SF 12 fällt auf SF 6, SF 25 auf SF 15, SF 35 auf SF 20, und ein zweiter Schaden im selben Jahr stuft noch einmal von dort aus zurück. Seit der Freigabe der Tarife 1994 hat jeder Versicherer eigene Sätze und Tabellen, deshalb rechnet der Rechner mit Musterwerten und die Bedingungen des eigenen Vertrags haben das letzte Wort.
Warum der Schaden über Jahre kostet
Der Fehler, den viele machen, ist der Blick nur aufs nächste Jahr: 163 Euro mehr bei SF 12 auf SF 6 klingen verschmerzbar für einen 1.800-Euro-Schaden. Aber der zurückgestufte Vertrag braucht sechs schadenfreie Jahre, um SF 12 wieder zu erreichen, und in diesen sechs Jahren ist der ungestörte Vertrag auf SF 18 geklettert. Der Abstand von sechs Klassen bleibt also bestehen, bis beide in SF 35 ankommen, bei SF 12 sind das 23 Jahre. Da die Beitragskurve nach oben flacher wird, schrumpft der Unterschied in Euro von Jahr zu Jahr, verschwindet aber nicht; über zehn Jahre summiert er sich im Beispiel auf gut 1.000 Euro, über 20 Jahre auf rund 1.400. Der Rechner lässt den Betrachtungszeitraum deshalb wählen, denn wer das Auto in drei Jahren abgibt und dann den Vertrag beendet, nimmt die SF-Klasse auf den nächsten Wagen mit, und die Rückstufung wandert mit. Je höher die Klasse, desto länger der Weg zurück, aber desto kleiner die Prozentsprünge, und je niedriger die Klasse, desto drastischer der Satz: Ein Anfänger in SF 3 fällt auf SF 1 und zahlt im Folgejahr 90 statt 65 Prozent.
Schadenrückkauf, Rabattschutz und Sonderfälle
Wer den Schaden gemeldet hat und erst danach merkt, dass er sich nicht lohnt, kann ihn zurückkaufen: In der Haftpflicht schreibt die Versicherung nach der Regulierung an und bietet an, den gezahlten Betrag innerhalb von sechs Monaten zu erstatten, dann bleibt die SF-Klasse unberührt; in der Vollkasko gilt meist dasselbe. Das ist der sichere Weg, weil der Geschädigte seinen Anspruch direkt gegen die Versicherung hat und man als Verursacher nicht mit ihm über die Reparaturkosten streiten muss, und weil eine Meldung Pflicht ist, auch wenn man später selbst zahlt. Der Rabattschutz als Zusatzbaustein kostet je nach Tarif 10 bis 25 Prozent Aufschlag und verhindert die Rückstufung für einen Schaden pro Jahr, der Rabattretter lässt ab SF 25 einen Schaden ohne Beitragsfolgen zu; beide gelten nur beim eigenen Versicherer, beim Wechsel wird der Schaden nachgetragen. Beim Wechsel des Versicherers übernimmt der neue die SF-Klasse laut Bescheinigung, Rückstufungen eingeschlossen. Teilschuld und Mitverschulden stufen genauso zurück wie Vollschuld, und bei Fahrerflucht oder grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung bis 5.000 Euro vom Verursacher zurückfordern, die SF-Klasse fällt zusätzlich.
Ein Stück Geschichte: Vom Einheitstarif zur SF 50
Den Schadenfreiheitsrabatt gibt es in Deutschland seit den 1950er Jahren, als die Kfz-Haftpflicht 1939 Pflicht geworden war und die Versicherer nach dem Krieg Anreize für vorsichtiges Fahren suchten; bis 1994 war der Tarif staatlich reguliert, alle Gesellschaften nutzten dieselben Klassen und dieselbe Rückstufungstabelle, und ein Versicherungsvergleich bestand im Wesentlichen aus dem Vergleich der Rabattsätze. Mit der Deregulierung des europäischen Versicherungsmarkts 1994 fiel die Genehmigungspflicht, die Versicherer bauten eigene Tabellen, dehnten die Klassen auf SF 25, dann SF 35 und in den 2010er Jahren bis SF 50 und führten Rabattschutz, Rabattretter und Sondereinstufungen für Zweitwagen und Partner ein. Die Beitragssätze oberhalb von SF 30 unterscheiden sich kaum noch, 20 Prozent gegen 18, weshalb die hohen Klassen vor allem symbolischen Wert haben. Seit etwa 2016 gibt es daneben Telematiktarife, bei denen das gemessene Fahrverhalten den Beitrag zusätzlich zur SF-Klasse senkt, vor allem für junge Fahrer in den teuren Einstiegsklassen.
Praktische Tipps
Melden Sie jeden Schaden fristgerecht innerhalb einer Woche, auch wenn Sie später selbst zahlen wollen, sonst droht Leistungsfreiheit. Lassen Sie den Schaden am fremden Auto von einer Werkstatt schätzen, bevor Sie entscheiden, Parkrempler kosten mit Sensoren und Lackierung oft mehr als gedacht. Rechnen Sie mit dem Rechner und dem Zeitraum, den Sie das Auto voraussichtlich noch fahren, und bedenken Sie, dass die SF-Klasse auf das nächste Auto übergeht. Nutzen Sie bei Haftpflichtschäden den Rückkauf nach der Regulierung, dann kennen Sie die genaue Summe. Prüfen Sie den Rabattschutz nur, wenn der Aufschlag unter dem jährlichen Mehrbeitrag eines Schadens liegt, bei hohen Klassen lohnt er selten. Vergleichen Sie jährlich bis zum 30. November, die Rückstufungstabellen unterscheiden sich stark. Was das Auto sonst noch kostet, zeigen der Kfz-Steuer-Rechner und der Wertverlust-Rechner, der auch beantwortet, ob sich die Vollkasko für den alten Wagen überhaupt noch lohnt.
Häufige Fragen
Wie weit werde ich nach einem Schaden zurückgestuft?
Grob auf die halbe Klasse: SF 12 fällt in der Haftpflicht auf SF 6, SF 25 auf SF 15, SF 35 auf SF 20, SF 3 auf SF 1. Die genaue Tabelle legt jeder Versicherer selbst fest, in der Vollkasko ist die Rückstufung meist etwas milder. Zwei Schäden im Jahr stufen zweimal zurück.
Soll ich einen Schaden selbst zahlen oder melden?
Selbst zahlen lohnt, wenn der Schaden kleiner ist als der Mehrbeitrag über die kommenden Jahre. Bei SF 12 und 420 € Haftpflichtbeitrag sind das rund 1.000 € über 10 Jahre: Ein 900-Euro-Parkrempler wird besser selbst gezahlt, ein 1.800-Euro-Schaden gemeldet. Der Rechner nennt die Grenze für Ihre Werte.
Wie lange dauert es, bis die alte SF-Klasse wieder erreicht ist?
So viele schadenfreie Jahre, wie Klassen verloren gingen: Von SF 6 zurück auf SF 12 sind es 6 Jahre. Der Abstand zum ungestörten Vertrag bleibt aber bestehen, weil der in der Zeit auf SF 18 klettert; erst in der Höchstklasse treffen sich beide. Deshalb kostet der Schaden über 20 Jahre und mehr.
Was ist der Schadenrückkauf?
Nach der Regulierung eines Haftpflichtschadens bietet die Versicherung an, den gezahlten Betrag innerhalb von sechs Monaten zu erstatten; dann bleibt die SF-Klasse unverändert. So kennen Sie die genaue Summe und müssen nicht mit dem Geschädigten verhandeln. Melden Sie den Schaden also immer, auch wenn Sie selbst zahlen wollen.
Stuft ein Teilkaskoschaden zurück?
Nein, die Teilkasko kennt keine Schadenfreiheitsklasse: Glasbruch, Wildunfall, Hagel, Diebstahl oder Marderbiss kosten keinen Rabatt. Nur Haftpflicht und Vollkasko haben eigene SF-Klassen, und ein Schaden in der einen Sparte lässt die andere unberührt.
Was kostet ein Fahranfänger nach einem Unfall?
Von SF 1/2 (100 Prozent) geht es auf SF 0 mit rund 125 Prozent, von SF 1 in die Klasse S mit 110 Prozent, bei einem zweiten Schaden in Klasse M mit 150 Prozent. Weil die Beiträge in den unteren Klassen hoch sind, lohnt das Selbstzahlen bei Anfängern besonders oft; der Rechner zeigt es für jede Klasse.
Lohnt sich der Rabattschutz?
Er kostet 10 bis 25 Prozent Aufschlag und verhindert die Rückstufung für einen Schaden im Jahr, gilt aber nur beim eigenen Versicherer. Er lohnt, wenn der Aufschlag unter dem durchschnittlichen jährlichen Mehrbeitrag eines Schadens liegt, bei SF 12 und 420 € also unter etwa 100 € im Jahr. Bei hohen Klassen mit kleinen Prozentsprüngen selten.
Kann ich die SF-Klasse auf ein anderes Auto oder eine andere Person übertragen?
Auf das nächste eigene Auto geht sie automatisch über, beim Versichererwechsel per Bescheinigung. Auf eine andere Person nur in engen Fällen, meist Ehepartner, Kinder oder Enkel, die das Auto nachweislich gefahren haben, und nur so viele Jahre, wie die Person den Führerschein hat. Der Abgebende verliert die Klasse dann.